Ein Hoch auf die Wegwerfgesellschaft

Die besten Geschichten schreibt das Leben: Bei Jürgen, dem Hagener Jung-Unternehmer, zerbretzelten kurz hintereinander die Druckknöpfe an seinen zwei Toiletten-Wasserspülkästen.

Der erste Defekt geschah daheim. Kein Problem – ein kurzer Anruf beim Vermieter reichte. Prompt kam ein Installateur, mit einem neuen Kasten unterm Arm. Auf Jürgens erstaunte Frage gab es eine verblüffende Antwort: „Es ist einfacher und preiswerter, einen neuen Kasten zu montieren, als den ollen Knopf zu reparieren.“ Sprach‘s, und eine halbe Stunde später war alles in Ordnung.

Auch Jürgen war zufrieden, konnte sich aber ein leichtes Grummeln über die verschwenderische Wegwerfgesellschaft nicht verkneifen.

Ein paar Tage später geschah die gleiche „Knopf-Panne“ in seinem Geschäft. Auch jetzt wurde der Vermieter eingeschaltet. Diesmal dauerte es etwas länger, bis ein Fachmann auftauchte. Er kam ohne neuen Spülkasten. Stattdessen brachte er einen Kollegen mit. Zwei Stunden mühte sich das Duo ab, den Wasserspüler wieder zu beleben. Jürgen empfahl zu verfahren wie der Kollege ein paar Wochen zuvor: gleich den ganzen Kasten erneuern. Er bekam eine energische Antwort: „Wir sollen reparieren und nicht austauschen.“

Nach zwei Stunden war der Spüler immer noch defekt. Nun wurde er abmontiert – mit einer ebenfalls verblüffenden Begründung: „Die blöde Kiste können wir nur in der Werkstatt reparieren. Wir kommen nächste Woche wieder.“

Jürgen erblasste. Wie sollte er jetzt im Büro die „privaten Geschäfte“ erledigen? – Die beiden Experten wussten Rat: „Stellen Sie einen Eimer mit Wasser neben das Klo.“ Sekunden später waren sie verschwunden.

Und Jürgen? Er wollte brav mit dem Eimer wässern. Ging aber nicht. Denn die beiden Handwerker hatten ihm die Wasserzufuhr komplett abgedreht und leider nicht verraten, wo.

Jürgen hat sich geschworen, nie mehr unsachliche Bemerkungen über unsere Wegwerfgesellschaft zu machen…

Tilo