Eine Wunderheilung in Hagen

Wer in Sachen Gesundheit um Wunder fleht, reist normalerweise in Orte wie Lourdes, Santiago de Compostela, Altötting oder an den Niederrhein nach Kevelaer. Doch warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt? Mitten in Hagen, am Markt, ist ein solcher Wunder-Ort, genauer: in der Frankfurter Straße, unweit der wochenkurier-Geschäftsstelle.

Da begab sich, kurz vor Weihnachten, schier Unglaubliches: Ein Mann im besten Mittelalter quält sich mühseligst auf zwei Krücken vom städtischen Amtsgebäude „um die Ecke“ in der Böhmerstraße in die Frankfurter Straße. Er kann einen Fuß nicht aufsetzen, das Gesicht ist schmerzverzerrt. Dem Mann geht es offenkundig schlecht, also, hätte er einen Hut vor sich hingelegt, Tilo hätte ein paar Euro reingelegt. Doch kaum in die Frankfurter Straße eingebogen, werden die Schritte des Mannes plötzlich frischer, er erhöht sein Tempo. Ein paar Sekunden später verschwindet er in einem Kiosk.

Und hier muss dann das Wunder geschehen ein. Der Mann kommt kurz darauf wieder raus aus dem Büdchen und trägt – Waaaaaahnsinn! – seine Krücken unter dem Arm! Er kann wieder normal laufen – und das, obwohl er nur wenige Minuten im Kiosk war. Arbeitet dort ein unbekannter Wunderheiler? Oder gibt es hier leckere Heilwässerchen aus der Volme, die Lahme wieder sehen und Blinde wieder hören und Taube wieder gehen lassen?

Tilo weiß es nicht. Jedenfalls kann Hagen jetzt locker mit den bestätigten Wundertaten von Altötting und Lourdes mithalten. Juchhu! Hagen ein neuer Wallfahrtsort! Mit einer Million Pilger jährlich – ähnlich wie in Kevelaer! Da brechen üppige (Touristen-)Zeiten an der Volme an, binnen kürzester Frist wird es die leeren Stadtkassen vollklimpern.

Rosige Aussichten für 2012!

Na ja, vielleicht wollte auch nur jemand das Sozialamt ganz kräftig auf die Nudel tun. Das wären allerdings eher rostige Aussichten.

Tilo