Einfach leben!

Es ist immer dasselbe: Wir rennen dem Bus hinterher. Dann der Bahn. Wir stehen im Stau und ärgern uns. Wir halten Termine und Fristen ein. Wir müssen uns beeilen – und alles richtig machen. Fehler würden den ganzen Tagesplan durcheinander bringen. Und so gibt es Regeln: Sport gehört zu einer gesunden Lebensweise, also sporteln wir. Gemüse ist ein absolutes Muss. Und jeden Tag sollen mindestens anderthalb Liter Wasser getrunken werden. Also essen und trinken wir. Nur um später klammheimlich die ganze Tafel Schokolade zu verdrücken. Diese Liste ist ellenlang: Emails werden nach dem Aufstehen kontrolliert, das Handy ist immer eingeschaltet, man muss sich für ALLES interessieren… Am Besten hat man auch noch den ganzen Tag über ein Lächeln im Gesicht.

Ob das sinnvoll ist, wird nicht hinterfragt. Schlimmer noch: diese Regeln schränken uns ein. Wer sich immer an Konventionen hält, vergisst sich selbst. Wer sich nur nach anderen Menschen richtet, wird auf Dauer unglücklich. Und während der Terminkalender übervoll ist, schrumpft das Privatleben auf ein Minimum. Zuhause arbeiten ist heute oft selbstverständlich. Sogar am Wochenende. Und wenn endlich mal der Beruf ruht, wartet der Haushalt. Fazit: Die Hektik geht weiter.

Nur: Karneval ist vorbei, Ostern kommt. Wir haben gerade Fastenzeit. Doch wer beachtet die überhaupt noch? Schließlich wirkt Verzicht – sei es auf Süßigkeiten, Alkohol oder den Computer – doch auch nur wie eine weitere Regel, die uns einschränkt. Also machen wir weiter wie bisher.

Für Tilo kam jetzt, völlig unerwartet, der Rat einer Rentnerin: „Leben Sie doch einfach!“ Nett gesagt. Aber wie? Kleiner Tipp: Stehenbleiben. Genauer, nicht nur flüchtig hinschauen. Einmal durchatmen. Zur Ruhe kommen. Und endlich einmal das machen, was man selber will. Einfach mal eine Einladung absagen, einen Termin nach hinten schieben, das Hamsterlaufrad anhalten, weghören. Egal, was die Anderen denken. Einfach mal die Frühlingssonne genießen. Den Computer nicht mehr nach Feierabend einschalten. Und sich auch mal einen Fehler erlauben.

Geht doch! Die Welt ist schön!

Tilo