Faire – unfaire Stadtverwaltung

Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Und Hagens Politessen starten durch. Morgens um kurz nach 9 Uhr kann man sie noch im Leerlauf besichtigen, hinter der Johanniskirche, wenn sie sich ein Zigarettchen genehmigen. Und man möchte ihnen eine nicht enden wollende Arbeitspause wünschen.

Aber dann … Die Knöllchen-Truppe ist ab sofort angewiesen, noch gnadenloser gegen Falschparker vorzugehen. Eine dieser Damen hat es – ganz unerwartet lieb – Tilo zugeflüstert. Insbesondere Autofahrer, die aufgeschultert auf dem Bürgersteig stehen, sollen ab sofort gejagt werden. Viele Autofahrer parken in engeren Straßen ihre Wagen halb auf dem Gehsteig, um eine ordentliche Fahrgasse zu ermöglichen. Damit Feuerwehrfahrzeuge, Müllwagen oder Zuliefer-Lkw keine Probleme bekommen.

Das ist in Deutschland genau geregelt. Wo das Parken auf dem Gehweg nicht – angezeigt durch ein blaues Hinweisschild – eindeutig erlaubt ist, ist es verboten. Da spielt es keine Rolle, wie gut eine Straße noch befahrbar ist, wenn die Autos auf beiden Seiten „brav“ auf der Fahrbahn stehen.

Es gibt in Hagen zahlreiche schmalere Straßen, wo das „aufgeschulterte Parken“ vernünftigerweise „seit ewig“ praktiziert wird. Etwa in der kleinen Engelsgasse in Oberhagen. Oder an der Hochstraße. Oder auch in der Tulpenstraße nahe der Fachhochschule, wo die „Parknot“ groß ist. Eine faire Stadtverwaltung würde dort die blauen Tafeln aufstellen und alles wäre gut.

Eine unfaire Stadtverwaltung nutzt die Not der Bürger, um abzukassieren. Der Ärger ist also programmiert, die Innenstadt wird noch unattraktiver, aber das ist alles egal. Hauptsache Geld, Geld, Geld. So ein Verhalten wird gerne bei Investmentbankern gegeißelt und man darf fragen, ob für solche prächtigen und erfolgreichen Ordnungsgeld-Vermehrungen demnächst auch Boni ausgeschüttet werden. Denn jeder Autofahrer, der seinen Pkw unerlaubt halb auf dem Bürgersteig parkt und erwischt wird, darf 15 Euro abdrücken. Bei „nur“ hundert zusätzlich abkassierten Autos am Tag macht das schon 1500 Euro aus. Ergibt monatlich – bei 20 Werktagen – 30.000 Euro, 360.000 Euro jährlich. Krummes Geld. So etwas sollte sich eine Versicherung oder sonst eine Firma erlauben.

Hagen ist bekanntlich extrem klamm. Doch leider haben unsere Politiker keinen richtigen Sparwillen. Deshalb muss die Verwaltung neue Einnahmequellen erschließen. Autofahrer kommen da gerade recht.

Wahrscheinlich ist es jetzt am einfachsten, wir parken nur noch „richtig“ auf der Fahrbahn, auch wenn es dann für Rettungswagen kein Durchkommen mehr gibt. Die Stadt wird mit der Aufstellung neuer Parkverbotsschilder reagieren – und dann haben wir Autofahrer erneut die A-karte gezogen …

Fragen Sie doch mal Ihren Abgeordneten im Stadtrat, ob er das in Ordnung findet!