Freie Bahn für Blitzer

In der letzten Woche lernten wir, dass „Blitzer“ dem Umweltschutz dienen (Tilo: „Wildwest in Westerbauer“). Eine Ausrede, die es verdient, in Hafergrütze gemeißelt zu werden.

Und was ist, wenn – wie am gestrigen Dienstag – Polizisten mit einer Laser-Pistole an der Ecke Lützow-/Feithstraße hinterm Gebüsch stehen? Na, dann könnte man auf die Idee kommen, dies ist gut für die Sicherheit unserer Kinder. Schließlich drubbeln sich an der oberen Lützowstraße reichlich Schulen.

Seltsam nur, dass nicht die Tempo-30-Zone vor den Schulen ins Visier genommen wurde. Sondern der Verkehr auf der Feithstraße. Gemeint ist der Bereich zwischen Autobahnauffahrt und Lützowstraße. Hier gibt es weder einen Fußgängerweg noch laufen hier Kinder oder andere Passanten entlang. Also beschleunigen manche Autofahrer gern mal etwas bergauf – schließlich stört‘s hier nicht. Und allzu sehr rasen kann man auch nicht, weil an der Ecke zur Lützowstraße eine Ampelanlage steht.

Dass hier regelmäßig Polizisten lauern, hat also eher damit zu tun, dass leichte Beute lockt. Man kann ganz hervorragend die klammen Kassen des Landes auffüllen.

Es kommt schlimmer. Die Städte und Gemeinden des Landes durften bisher nur an wenigen Stellen „blitzen“ – vorrangig im Dunstkreis von Schulen. Bisher. Ab sofort können die Kommunen in NRW die Autofahrer deutlich leichter zur Kasse bitten. Denn Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat am Montag eine Vorschrift geändert. Die Ordnungsämter dürfen nun überall blitzen, wo zu schnell gefahren wird. So will er die Sicherheit auf den Straßen erhöhen. Sagt er.

Wer‘s glaubt, wird selig. Denn darüber, wo die Ordnungsbehörden ihre Anlagen aufbauen, entscheiden sie künftig selbst. Und da unsere Kämmerer immer schon vorab einige Milliönchen aus dem „Knöllchen-Verkauf“ einkalkulieren, kann man sich schon ausrechnen, worauf alles hinaus läuft: Erst werden einige bananige Geschwindigkeitsregelungen in der hintersten Heide eingeführt und anschließend wird dort geblitzt, dass die Heide wackelt.

Nicht die größte Verkehrssicherheit zählt, sondern die größte Einnahmequelle. Müssen halt die Schüler ein bisschen besser aufpassen.

Eine Unverschämheit.