Griechenland und Gyros-Konto

Es ist – leider – ganz normal: Da wird in einer Amtsstube eine Baumaßnahme geplant, und dann laufen die Kosten, Kalkulationen, Planungen und oft genug auch noch die Folgekosten „volle Lotte“ aus dem Ruder.

Beispiele aus Hagen kennen wir genug. Beim Kunstquartier haben die veranschlagten Baukosten irgendwie gepasst. Aber die Unterhaltungskosten sind nicht in den Griff zu kriegen. Oder das Tierheim: Die Stadt wollte nach langem Planungs-Tohuwabohu zwei Millionen Euro ausgeben. Dann waren es plötzlich drei Millionen – 50 Prozent mehr. Nach erneutem Gerangel wird eine „Spar-Variante“ gebaut, die tatsächlich „nur“ zwei Millionen Euro kostet. Bis zur nächsten Kosten-Explosion.

50 Prozent Überschreitung auch am Krematorium. Der Behindertenbeirat wünscht am Jugendstil-Tempel schon seit Jahren einen Zugang, der mit Rollstühlen zu bewältigen ist. Mittel aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung sollten bei der Verwirklichung helfen – und weitere Sanierungsmaßnahmen an dem berühmten Bauwerk ermöglichen. Ein Ingenieurbüro wurde für eine schnelle Durchführung angeheuert. Der Experte schätzte für die gesamte Baumaßnahme höchstens 600.000 Euro. Doch als alle Handwerker-Angebote vorlagen, kam Endzeit-Stimmung auf: knapp 900.000 Euro.

Anderswo ist‘s ähnlich. Ein paar wenige Beispiele:

In Hamburg kostet das neue Konzerthaus statt 100 Millionen Euro weit über 300 Millionen. Die Stadt Koblenz wünschte sich anlässlich der Bundesgartenschau einen neuen Innenstadt-Bahnhof – für neun Millionen Euro. Zuletzt kostete er die doppelte Summe. In Holzwickede sollte eine neue Fußgängerbrücke eigentlich „nur“ 800.000 Euro kosten. Nach diversen Planungs-Pannen – es gab Probleme mit dem Fundament und einem viel zu schmalen Aufzug – stieg die Bausumme auf mittlerweile 3,5 Millionen an. Das ist mehr als das Vierfache!

Auch in Griechenland waren derartige Planungskostenfehler gang und gäbe. Jetzt ist der Hellenen-Staat pleite. Und richtig gespart wird dort immer noch nicht. Wie in vielen deutschen Städten und Ländern. Etwa in Bremen, im Saarland, in Berlin, an der Volme…

Da kann einem mulmig werden: Vielleicht sollten wir schon einmal anfangen, griechisch zu lernen: Gyros-Konto, Apokalypso, das Debakel von Delphi. – Geht doch!

Tilo