Heuchel-Blitze

Es ist ärgerlich und teuer, wenn man vom Blitzer erwischt wird. Fast jeder Autofahrer kennt das Gefühl danach: Wut über sich selbst, Ohnmacht gegenüber der Willkür und immer häufiger das dumpfe Gefühl, abgezockt worden zu sein. Es darf bezahlt werden. Kein Weg geht daran vorbei. Die Stadtkasse hat diese Einnahmen schon im Voraus fest eingeplant.

Ortsansässige kennen ihre heimischen Blitzer. Doch wer auswärts fährt, muss höllisch aufpassen. Hinter jedem Baum und Strauch könnte ein Knipser lauern, vor allem da, wo die Geschwindigkeitsbegrenzung echt bananig und willkürlich daherkommt.

Tempokontrollen mit festinstallierten “Blitzen” sollen helfen, das Unfallaufkommen zu verringern. Nur an Gefahrenstellen werde geblitzt, heißt es. Doch warum dann so versteckt und heimlich, so überraschend und hinterhältig?

Es geht auch anders. Tilo erlebte es jetzt auf seiner Schwedenreise. Eindringlich wird schon weit vorher deutlich mit Warnschildern auf eine anstehende Radarkontrolle aufmerksam gemacht. Und direkt vor der Blitze dann noch einmal ein dicker Hinweis. Wer hier trotzdem fotografiert wird, kann nicht ganz dicht sein … Vor allem ist das Ziel klar: an dieser Gefahrenstelle sollen ALLE Autofahrer langsam fahren. Wenn es um die Verkehrssicherheit geht, ist dies das einzig wahre Verfahren.

Wenn ich jedoch abkassieren möchte, dann verstecke ich die Blitze. Die Ortsansässigen kennen sich aus, sobald sie das erste Mal hereingefallen sind. Die Ortsfremden werden erwischt. Das bringt viel Geld in die Stadtkasse, aber die vielbeschworene Verkehrssicherheit wird nicht erreicht. Viel zu viele Autos sind viel zu schnell an der Gefahrenstelle unterwegs. Die Blitze sorgt nur bei einem Teil der Verkehrsteilnehmer für eine angepasste Geschwindigkeit. Das vielbeschworene Argument der Verkehrssicherheit entlarvt sich als das, was es ist: pure Heuchelei.

Und tatsächlich sind die Unfälle in Schweden zurückgegangen! Kein Autofahrer fühlt sich ausgenutzt und ausgepresst. Ziel erreicht, ganz ohne Heimtücke.

Das Königreich Schweden zeigt uns, wie ein fairer Staat mit seinen Bürgern umgeht. Bei uns hat Innenminister Ralf Jäger (SPD) im letzten Monat den städtischen Ordnungsämtern erlaubt, überall verstärkt zu blitzen. Um die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen, sagt er.

Der Junge braucht dringend ein paar Tage Urlaub in Schweden.