Kandidaten-Knaller

Da ist CDU, Grünen, FDP und Bürgern für Hagen (BfH) ein echter Knaller gelungen. Sie wollen den ehemaligen SPD-Mann Erik O. Schulz auf ihren OB-Kandidaten-Schild heben. Noch letzte Woche hatte Tilo darüber gespottet, dass Schulz, rühriger Chef der Agentur Mark, ein geeigneter SPD-Bewerber gewesen wäre. Die SPD wollte ihn aber nicht. Jetzt geht er als parteiloser Kandidat für die „erweiterte Jamaika-Koalition“ ins Rennen. Sauber. Einen Topp-Bewerber hätten wir schon mal. Glückwunsch an CDU-Chef Christoph Purps, dass ihm dieser Coup gemeinsam mit Grünen und Freidemokraten gelungen ist.

Echt trostlos sieht es dagegen bei der SPD aus. Partei-Boss Timo Schisanowski agiert derzeit eher wie ein Nilpferd. Ihm steht das Wasser bis zum Hals. Zwar war am Wochenende seine „kleine Hasper Welt“ in Ordnung (der SPD-Ortsverein Haspe-Süd bestätigte ihn mit 100 Prozent aller Stimmen im Amt des örtlichen „Vorturners“). Aber ansonsten ist im großen Hagener SPD-Haus mächtig Feuer in der Hütte. Aus vielen Teilen der Stadt wird auf Schisanowski und „seinen“ Ratsfraktionsvorsitzenden Mark Krippner aus allen Rohren geballert. Und die dicksten Kanonen stehen am Remberg.

Anlass ist die von etlichen SPD-Wählern als „schäbig“ eingestufte Art und Weise, wie die beliebte bisherige Bürgermeisterin Brigitte Kramps in die Wüste geschickt wurde (Tilo berichtete). Sie kommt aus dem Ortsverein (OV) Remberg. Dort hatte man die kämpferische Genossin erneut als Kandidatin für die Ratswahl gekürt. Doch bei der Wahlkreiskonferenz katapultierte man sie mit allerlei Demütigungen aus dem Rennen – zugunsten des früheren Parteichefs Werner König, der früher auch mal Mitglied im OV Remberg war.

Jetzt rummst es gehörig. SPD-Urgestein Friedhelm Tenne und Kirsten Pinkvoss, beide stellvertretende Remberg-Vorsitzende, haben zusammen mit dem gesamten OV-Vorstand beschlossen, „aufgrund dieser Vorkommnisse zurückzutreten“.

Schisanowski und Krippner stehen ein Vierteljahr vor der Wahl auf der Spitze eines Scherbenhaufens. Ein überzeugender SPD-Kandidat für die OB-Wahl ist nicht in Sicht. Langsam wird es peinlich, wie die Genossen sich selbst zerlegen. Mitleidsgefühle sind angebracht. Bei der letzten Bundestagswahl im vergangenen September kam die einst, ach, so stolze SPD gerademal auf 25 Prozent. In Hagen hat sie, wenn sie so weiter macht, alle Chancen, noch darunter zu bleiben.

P.S.: Derweil köchelt die Gerüchteküche weiter: Gibt auch Brigitte Kramps, wie ihr ehemaliger Parteifreund Erik O. Schulz, ihr Parteibuch zurück? Und auf der heißen SPD-Rotkrautsuppe schwimmen als neueste OB-Kandidaten-Blasen: Rechtsanwalt Rolf Adler und Architekt Jörg Meier. Brodel-brodel, blupp-blupp.