Lachmuskelkater

Mitbürger! Wollt Ihr in diesen kabbeligen Zeiten mal wieder richtig ablachen? Nicht unhörbar schmunzeln, nicht leise lächeln, nein, Lachen bis der Kiefer klemmt.

Wo? Hier: In Hohenlimburg beginnen an diesem Wochenende wieder die SchlossSpiele. Als Hauptstück der Festwochen ist in diesem Jahr schierer Spaß und reine Entspannung angesagt.

Ein saukomisches Lustspiel steht auf dem Programm: „Der Raub der Sabinerinnen“! Keine Angst, dafür ist keine tiefgründige Bildung erforderlich! Seit über hundert Jahren kommen die Zuschauer mit Lachmuskelkater aus diesem Stück. Es ist ein unverwüstlicher Garant für Lebensfreude und Sorgenverscheuchung.

Es beginnt ganz harmlos. In einer kleinen Stadt ist zum Jahresfest alles auf den Beinen. Auch eine reisende Schauspielertruppe ist gekommen. Der Gymnasialprofessor Gollwitz hat eine theaterbegeisterte Haushälterin namens Rosa. Sie will jede Vorstellung sehen. Die Hausherrin verurteilt solche Kinkerlitzchen. Aber sie ist mit ihrer Tochter noch im Kurbad.

Der Herr Professor verrät dem umwerfend sächselnden Schauspieler-Chef, dass er selber einst ein Stück geschrieben hat: ein tränen- und leichenreiches Römer-Trauerspiel. Theaterdirektor Striese erkennt seine Chance. Wenn er dieses Stück aufführt, welches ein bekannter Bürger der Stadt geschrieben hat, dann gibt es „volles Haus.“

Er weiß (noch) nicht, dass dieses Schauspiel, welches der Professor als Student verzapft hat, eine völlig vergurkte, unspielbare Schmonzette ist. Und damit nimmt das Unglück seinen Lauf. Professor Gollwitz springt vor Lampenfieber im Karree. Seine Frau, die nichts von seinen künstlerischen Abwegen wissen darf, kommt zu früh aus der Kur zurück. In der Ehe der älteren Tochter qualmt es, weil der Schwiegersohn ein verdorbenes Vorleben hat. Die jüngere Tochter verknallt sich in einen verkrachten Jungschauspieler, der von seinem Vater, einem reichen Berliner Weinhändler gesucht wird. Theaterdirektor Striese muß dem Herrn Professor beibringen, dass sein schrilles und groß angekündigtes Werk unspielbar ist. Wie hilft man sich? Mit immer wieder neuen Notlügen und Heimlichkeiten. Es geht zu wie im Hühnerhaus beim Besuch des Fuchses. Ein unentwirrbares Remmidemmi hinter der ehrsamen Fassade einer braven Bürgerfamilie, alles auf einen unaufhaltbaren Endknall zutreibend.

Und was wird aus der Uraufführung von Papas Stück? Am Ende gibt es eine Lösung, liebe Leser, da vergessen Sie alle Sorgen am Arbeitsplatz, mit dem Partner(in), dem Finanzamt, dem Kontostand, den Kindern, den Nachbarn. Da ist einfach nur Fröhlichkeit angesagt. Nö, die Lösung des ganzen Megakurmels will Tilo nicht verraten. Schauen Sie selbst! Pilgern Sie auf den Schlossberg! Lohnt sich. Für die Jüngeren ist es eine gnadenlos-herrliche Lehrer-Verulkung. Die älteren Semester dürfen sich an menschlichen, allzumenschlichen Schwächen der „besseren Leute“ erfreuen.

Tilo wünscht Ihnen ein ungetrübtes Vergnügen, gutes Wetter und freut sich auf das Wochenende wie ein Hahn, der ein Ei legt. Samstag 20 Uhr, Sonntag 18 Uhr.