Pech mit Pilz

Es war gut gemeint, als Oberbürgermeister Jörg Dehm einen Rauchpilz in Auftrag gab. Mit dem Ding wollte er die quarzende Meute seiner Mitarbeiter vom Rathaus-Seiteneingang auf das Flachdach des Bürgeramtes verbannen. Dort sollte sie dann niemand mehr sehen. Denn die Raucher-Traube, die tagtäglich vor den Fenstern anderer Büros herumstänkerte, störte nicht nur die Nichtraucher-Kollegen bei der Arbeit, sondern schadete auch dem Image der Stadtverwaltung. Da war sich der OB sicher.

Mit 4000 Euro, dachte der OB, sei die Sache geritzt. Denkste: Ein Statiker musste zuerst die Tragkraft des Daches ermitteln. Das kostete und war nicht eingeplant. Dann wurde bei der Montage des Metallmonsters auch noch die Dachhaut beschädigt. Also reparieren. Damit nicht genug: Für die Montage des Unterstandes musste auch noch der Boden geebnet werden. Ganz wichtig: das Arbeitszeiterfassungsgerät, damit selbst die Kettenraucher ihre Arbeitszeit nicht nur unter dem Pilz verbringen.

Alles in allem krabbelte der Betrag für die wirklich gut gemeinte Idee auf sage und schreibe 15.000 Euro. Das erhitzt in Zeiten der Spardiskussionen natürlich die Gemüter. Da glüht die Empörung heißer als brennender Tabak in der Zigaretten-Spitze.

An eins hatte der gute OB überhaupt nicht gedacht: Es gibt bei der Hagener Stadtverwaltung ja auch gehbehinderte Raucher. Dieser Minderheit ist der Gang zum Pilz verwehrt: zu viele Treppen. So kritisierte unlängst der Schwerbehindertenbeauftragte in einem Schreiben an den OB die Stufen und die zur falschen Seite öffnende Tür des Raucherpilzes. Damit sei er für Gehbehinderte kaum zu erreichen.

Nun fragt sich Tilo, was die Nachbesserung der Rauchpilztür und all die vielen Rampen für Rollis wohl noch kosten werden.

Nein, dies ist kein Bericht aus dem Irrenhaus. Es ist nur der ganz normale alltägliche bundesdeutsche Wahnsinn.

Tilo