Peinlich?

Es liegt sieben Ewigkeiten zurück. Aber Tilo kann sich noch gut an den Tag erinnern, als er mal „blau“ war. Gymnasium, Klassenfahrt, 9. Schuljahr. Es ging in die Jugendherberge eines beschaulichen deutschen Mittelgebirgsstädtchens. Am Abend des zweiten Tages machte sich ein Trupp Jungs – angeführt vom mitgereisten Mathe-Referendar – auf den Weg, den Ort zu erkunden. Rasch war eine Kneipe gefunden – und das Unheil nahm seinen Lauf. Der Lehrer spendierte einen „Stiefel Bier“, der zwei Liter fasste. Der Stiefel – und nach ihm ein zweiter – machte die Runde. Am Ende waren die 15-jährigen Pennäler bierselig und hatten am nächsten Tag einen „dicken Kopp“. Was alle als sehr peinlich empfanden…

Wieder daheim in Hagen, machte die Geschichte rasch die Runde – und alarmierte einige Eltern. Sie fanden das gar nicht witzig. Sie überlegten gar, gegen den Referendar juristisch vorzugehen. Weil er Jugendlichen ein Bier spendiert hatte!

Aus der Sicht manch‘ heutiger Schüler sind solche Geschichten eher Peanuts. Mit ein, zwei Bierchen halten sich selbst viele 14-Jährige kaum noch auf. Letzte Woche weilte eine 8. Klasse aus Haspe in Berlin. Wegen eines bestimmten Theaterstücks war man angereist. Doch einigen Jungs stand der Sinn weniger nach der Muse. Stattdessen transportierten sie reichlich Fusel im Handgepäck. Wodka. Und damit es nicht sofort auffiel, hatten sie das Gesöff als „Eis-Tee“ getarnt. Am Ende des Tages lag ein Junge mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Schlimm. Und obendrein richtig peinlich.

Aber so etwas sehen heutige Jugendliche lockerer. Hagens Polizeimeldungen sind voll mit solchen Berichten. Woanders im Lande ist es leider auch nicht besser. Beispiel Bad Homburg. Aus der gediegenen Kurstadt am Taunus (50.000 Einwohner) wurde am Wochenende gemeldet, mehr als 40 betrunkene Gymnasiasten hätten nach einer Feier verarztet werden müssen. Darunter zahlreiche Mädchen, deutlich jünger als 16. Dabei haben die Teenies nicht nur gesoffen, sondern auch randaliert und den halben Kurpark voll uriniert.

Stimmt, das ist auch nicht peinlich. Das ist widerlich.

Tilo