Prügel

Ach, was wäre Tilo ohne seine hellwachen Leser und Leserinnen. Verdankt er ihnen doch viele wertvolle Tipps, wichtige Hinweise und ersprießliche Diskussionen. Aber auch Kritik. Komischerweise gehören vor allem heimatkundliche Beiträge zu den „Haupt-Aufregern“ – etwa unser Artikel über die „schwarze Hand vom Hohenlimburger Schloss“ oder unsere kleine Serie zum „Hagener Slang“.

Bei der berühmten schwarzen Hand ging es um die Erkenntnisse eines Mannheimer Forschers, der seit geraumer Zeit Deutschlands Mumien unter die Lupe nimmt. Und weil ja auch die „schwarze Hand“ mumifiziert ist, legte der Mann aus Mannheim das „olle Händchen“ unter seine Apparate. Am Ende stellte er fest, dass sie einem Erwachsenen gehörte (und keinem Kind, wie die Sage munkelte). Zudem bestätigte er die Vermutung, die Hand stamme aus der Zeit um 1500.

Das erboste einige Leser. Sie geißelten – zum Teil in anonymen Schreiben (warum eigentlich anonym?) – die Stadt Hagen: Es sei kein Geld für Schulen und Straßen da, aber für eine unnötige Untersuchung. Gemach, gemach! Die Stadt musste für den „Untersuchungsspaß“ keinen einzigen Cent auszugeben, sondern bekam die Mannheimer Erkenntnisse geschenkt.

Auch am „Hagener Slang“ beißen sich etliche Leser fest, geteilt in zwei „Fraktionen“. Der eine Teil pocht darauf, der „gemeine Volmestädter“ spreche überhaupt keinen Slang, sondern reinstes Hochdeutsch. Die anderen Kritiker stört, dass hier vom Hagener Slang die Rede ist. „Die Menschen an Volme und Ennepe verfügen über keine eigene Sprache“, heißt es. Stattdessen sei ihnen das übliche Ruhrpottdeutsch zu eigen, das es auch in Dortmund oder Bochum gebe, wenngleich mit kleinen Abweichungen.

Nun, eigentlich haben wir auch nie etwas anderes behauptet, und die Abweichungen vom allgemeinen Ruhrpott-Slang haben wir mit vielen Beispielen aufgezeigt. Klar bleibt jedenfalls: die Sprache der Hagener wird immer noch allüberall in Deutschland verstanden – vergessene und unerforschte Alpentäler im östlichen Bayern mal ausgenommen.

Sei‘s drum. Wir wollen mit diesen Artikeln informieren und unterhalten – und keinesfalls Ihren Blutdruck hochtreiben. Also, liebe Kritiker(innen): Machen Sie es wie die meisten anderen Leserleute: Wenn des Tages Kämpfe vorüber sind, die letzten Abenteuer bestanden, die letzte Niederlage weggesteckt, greift der erschöpfte Mensch zum wochenkurier – und Friede, süßer Friede zieht ein in seine wunde Seele. Belehrung aus den Titelgeschichten, knallharte Fakten aus dem heimatlichen Umfeld, geistige Genüsse von den kulturellen Berichten, Spannung beim Sport, Spaß beim „Tilo“ und ein hochinteressanter Anzeigenteil – und schon sinkt des Lesers Kopf befreit und glücklich auf die Daunen. Wir sammeln Kraft für neue Taten und Abenteuer. Der Mond geht auf, die Grillen zirpen, und alles, alles wird wieder gut.

Tilo, 28. April 2010