Rückseitig vorbei

Am Montag sorgte ein neuer Aufkleber in Hagen für Aufregung. (Foto: Susanne Faehte-Kruse)

Kann ein gelbes Ortseingangsschild zum Aufreger werden? Nö, sollte man meinen. Falsch. In Hagen ist alles möglich.

Am Anfang stand eine gute Idee. Alle Ortseingangsschilder wurden kürzlich mit dem Zusatz „Stadt der FernUniversität“ verziert (der wk berichtete). Das macht Sinn. Gehört doch die Fernuni zu den wenigen überregional bekannten Aushängeschildern der Volmestadt. Eigentlich wurde sie als Trostpflaster geschaffen. In den 70ern gründete die NRW- Landesregierung mit ihrem seinerzeitigen Wissenschaftsminister Johannes Rau zahlreiche neue Universitäten, etwa in Duisburg und Essen. Auch Hagen hoffte damals, Standort einer ganz normalen Uni zu werden. Doch Rau kam plötzlich mit einer völlig neuen Idee um die Ecke – er regte 1974 an, eine Hochschule zu schaffen, bei der die Studierenden „von daheim aus“ studieren konnten. Ein Volltreffer. Im aktuellen Sommersemester 2010 sind ca. 69.500 Studierende eingeschrieben. So viele wie an keiner anderen deutschen Hochschule.

Wetten, dass mittlerweile jeder Deutsche einen Deutschen kennt, der in Hagen studiert hat? Zahlreiche Prominente gehören dazu – die Palette reicht von bekannten Sportlern wie Oliver Bierhoff und Ski-Superstar Katja Seizinger bis hin zu Politikern wie etwa Monika Hohlmeier (Tochter von Franz-Josef Strauß, lange bayrische Kultusministerin), Hubertus Heil (Ex- SPD-Generalsekretär), Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und Außenminister Guido Westerwelle.

Der schmückende Zusatz „Stadt der FernUniversität“ geht also voll in Ordnung. Doch die Aktion rief reichlich Kritiker auf den Plan. Die FernUni sei doch gar nichts Besonderes, tönten sie.

Und obendrein sei durch den Zusatz der gelbe Ortseingang als Schild (Tempo 50!) nicht mehr gültig. Düsseldorfer Ministerialbeamte wurden eingeschaltet, und selbst Noch-Regierungspräsident Diegel mischte sich ein. Während die Düsseldorfer den Hagenern den Zusatz verbieten möchten, riet Diegel, sich den Titel „Stadt der FernUniversität“ amtlich verleihen zu lassen. Dann dürfe er auch problemlos auf den Ortsschildern pappen.

Am Montag gab es einen neuen Hinweis auf den Schildern: irgendein Witzbold hatte den Schriftzug „Hagen – Stadt der Vollidioten“ angebracht.

Oje, seid gegrüßt, Ihr Dauer-Verdrießlichen, Ihr Schwerstbedenkenträger und Heißluftballons. Tilo widmet Euch in Euer selig-sauerkrautigen Gurkenhaftigkeit ein Gedicht von Wilhelm Busch:

„Wer sich an Läppischkeiten stört,
dem werde einfach zugekehrt,
die Seite, welche wir benützen,
um drauf zu liegen und zu sitzen.“

Tilo