Tilo: Aus Arabien

Junge, Junge, in den vergangenen Tagen war vielleicht wieder was los auf dem Globus. Da wurde zum Beispiel in der EU endlich der Anti-Trump-Zoll eingestielt. Das ist doof für Tilos alten Freund Thorsten, der ist nämlich großer Harley-Davidson-Fan. Durch die jetzt in Kraft tretenden erhöhten Zölle wird sich der Preis eines einzelnen Zweirads dieser US-Kultmarke „mal eben“ um 2000 Dollar erhöhen. Der Hersteller hat deshalb bereits angekündigt, die auf Europa ausgerichtete Produktion nach Brasilien oder Indien verlagern zu wollen. Was der US-Präsident darüber sagt, kann man sich denken.

Aber lassen wir Trump; er ist das Blatt nicht wert, auf dem sein Name gedruckt ist. Wenden wir uns lieber der holden Weiblichkeit zu. Jetzt dürfen endlich auch – hurra! – die saudi-arabischen Frauen Auto fahren. Das hat lange gedauert. Anderswo in der islamischen Welt sitzen Frauen schon fast genauso lange am Steuer wie in Deutschland. Aber kaum ein anderes Land ist halt so patriarchalisch ausgerichtet wie dieser reiche Öl-Staat zwischen dem Persischen Golf und dem Roten Meer.

Wer jetzt denkt, das ist auch ansonsten typisch für einen arabischen Staat, sollte mal einen kleinen Augenblick innehalten und darüber nachdenken, wie es in unserem ach so aufgeklärten christlichen Abendland um Emanzipation, Sexismus & Co. mitunter bestellt ist. Klar, Frauen dürfen in Europa schon seit langem ans Steuer, aber die dummen Sprüche wie „Frau am Steuer – nicht geheuer“ haben wir alle noch im Ohr und manchmal hört man sie sogar nach wie vor. Dabei wissen wir alle, dass viele Ehefrauen besser fahren als ihre Gatten.

Wir können auch auf den Papst schauen. Der gilt zwar seltsamerweise als Modernisierer, aber in vielerlei Hinsicht – vor allem wenn es um Abtreibung, Geschlechtsverkehr oder das Schlagen von Kindern geht – vertritt er Positionen, die könnten beinahe auch aus Saudi-Arabien oder dem Mittelalter stammen.

Tilo denkt auch an ZDF-Reporterin Claudia Neumann. Wenn die ihren Sportkommentatorinnen-Job macht, wütet im Netz der Hass. Da fühlt man sich fast an die Zeiten der Hexenverbrennung erinnert.

Aus Saudi-Arabien hätte auch jener ältere Mann sein können, der neulich in die Wochenkurier-Redaktion kam und sogleich barsch mit einem Redakteur zu sprechen wünschte. Als postwendend eine von Tilos Kolleginnen bereit war, ihm ihr Ohr zu leihen, wurde sie von oben bis unten abschätzig gemustert und mit dem Satz konfrontiert: „Sind Sie etwa auch ein Redakteur?“ Da blieb der Kollegin etwas die Luft weg.

Aber in einer Zeit, in der völlig vermoderte Denkmuster weltweit wieder an die politische Oberfläche „krabbeln“, braucht einen dergleichen eigentlich nicht sonderlich zu verwundern.

Tilo