Tilo: Durchgeknallt

In Tilos Nachbarschaft wohnte vor einigen Jahren mal ein Mann, wir nannten ihn Fred, der stark unter Verfolgungswahn litt und der offenkundig auch das Potential eines Verschwörungstheoretikers besaß. Wenn ihn sein Wahn besonders arg heimsuchte, setzte sich Fred einen selbstgebastelten Alu-Hut auf den Kopf und verbrachte so gekleidet gerne etliche Stunden am offenen Fenster. Eines Tages warf er urplötzlich allerlei Möbelstücke durchs Fenster. Das Problem: Fred wohnte an einer sehr belebten Hagener Straße – und zwar im dritten Stock.

Verfolgungswahngestörte und Verschwörungstheoretiker scheint es in unseren Breitengraden mittlerweile immer häufiger zu geben. Einige von ihnen sind bei Pegida & Co. gelandet, einige andere bei den so genannten Reichsbürgern. Diese „Bürger“ erwecken im ersten Augenblick den Eindruck, nicht ganz „dicht“ zu sein, so ein bisschen wie Fred. Aber etliche von ihnen können durchaus gefährlich werden. Dabei werfen sie nicht unbedingt mit Möbeln. Vielmehr verfügen etliche Reichsbürger über ganze Waffenarsenale, zum Teil sogar legal, weil sie irgendwann in den „Genuss“ von Waffenscheinen gelangt sind. Vor wenigen Tagen hat ein Koblenzer Oberverwaltungsgericht entschieden, dass ihnen grundsätzlich der Waffenschein entzogen werden darf. Ein längst notwendiger Entscheid.

Aktuellen Untersuchungen zufolge zählt man bundesweit etwa 19.000 Menschen, die dieser wirren Szene zugerechnet werden können. Auch an Volme und Lenne gibt es welche, die zumindest zu den Sympathisanten gehören. Die meisten wohnen indes eher im Süden Deutschlands – also in Baden-­Württemberg und in Bayern. Ähnlich wie bei Pegida, NPD und Teilen der AfD handelt es sich bei den Reichsbürgern hauptsächlich um Männer, die das demokratische System der Bundesrepublik Deutschland ablehnen. Aktuell werden knapp 1000 Reichsbürger vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft. Die angegebene Zahl „1000“ verwundert. Müssten nicht eigentlich alle 19.000 in diese Kategorie einsortiert werden?

Besonders brisant wird es, wenn sich auch Polizisten, die immerhin einen Eid auf das Grundgesetz geschworen haben, zu den Hirngespinstigen hingezogen fühlen. Dass es derartige Beamten gibt, ist leider kein „Fake“, sondern bittere Realität. Ein derartiger – bisheriger – Beamter hat seinen Vorgesetzten schriftlich gar als „Bandenführer“ tituliert.
Bei Fred und manchen Reichsbürgern kann man ja immer noch die Position vertreten, dass die „durchgeknallt“ sind. Aber Polizisten? Mussten die nicht einen Eignungs- und Intelligenztest vor ihrer Einstellung absolvieren? Scheinen ja nicht immer was zu taugen, diese Tests, oder?
All‘ das sind Fragen, die uns gewiss auch 2019 begleiten werden. Bis dahin aber wünscht Tilo seinen Lesern, auch den reichsbürgerlichen Knalltüten unter ihnen, einen ruhigen Rutsch ohne allzu viele Böller!

Tilo

P.S.: Der neue Chef des Bundesverfassungsschutzes hat verkündet, den Kampf gegen „Rechts“ deutlich verstärken zu wollen. Das war überfällig.