Tilo: Frauenrechte

Mitte November 2018 – ein Zeitpunkt für viele Gedenktage. Wir haben uns dieser Tage erinnert zum Beispiel an den „DDR-Mauerfall“ am 9. November 1989, an „100 Jahre Ende des Ersten Weltkrieges“, an den Beginn der „Novemberrevolutionen“ vor hundert Jahren, an „80 Jahre Reichspogromnacht“ sowie an „100 Jahre Frauenwahlrecht“ in Deutschland.
Den Frauen am 12. November 1918 das Wahlrecht zuzugestehen, war damals einigermaßen revolutionär weltweit, galten doch Frauen in den Augen vieler Männer als „politisch neben der Spur“.

Mit Beeinträchtigungen und negativen Einschätzungen hatten und haben Frauen bis heute häufig zu kämpfen.

Tilo kann sich etwa an seine alte Freundin Undine erinnern, die um 1980 ein wirtschaftswissenschaftliches Studium an einer Fachhochschule aufnahm und sich – allein unter Dutzenden Männern – allerlei dumpfe Sprüche von Studenten und Professoren anhören durfte. Das war seinerzeit Sexismus pur.

Tilo studierte damals in Bochum. Da gab es einen älteren Professor, der sich gerne junge, gut aussehende Studentinnen in die Sprechstunden einlud, um den verständnisvollen väterlichen Freund zu mimen. „Garniert“ wurde dies mit reichlich Grapschereien. Einige Frauen haben sich dann beizeiten „gerächt“ und ihm einen speziellen „Grapschhandschuh“ feierlich und öffentlich überreicht.

Unter anderem auch, um solchen „männlichen Machenschaften“ Einhalt zu gebieten war es gut und richtig, Frauengleichstellungsstellen einzurichten. Heute sind sie zum Glück selbstverständlich geworden, aber in den ersten Jahren mussten sich die Frauen, die diese Stellen um 1990 antraten, viele unverschämte Anfeindungen anhören.

Trotz des vor hundert Jahren gewährten Frauenwahlrechts hat es lange gedauert, bis Frauen in Deutschland – wohlgemerkt: wir sprechen nicht von einem muslimischen Staat oder einer Bananenrepublik – halbwegs gleichberechtigt leben konnten. So ist fast vergessen, dass in der jungen Bundesrepublik Deutschland bis 1958 ein Ehemann den Job seiner Frau kündigen konnte, auch gegen ihren massiven Widerstand. In Baden-Württem­berg mussten Lehrerinnen noch bis 1956 durch ein Lehrerinnenzölibat-Gesetz aus dem Staatsdienst ausscheiden, wenn sie heirateten.

Erst mit dem Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau, das am 1. Juli 1958 in Kraft trat, hatte der Mann nicht mehr das Letztentscheidungsrecht in allen Eheangelegenheiten. Bis dahin verwaltete der Gatte auch das von seiner Frau in die Ehe eingebrachte Vermögen und verfügte allein über die daraus erwachsenen Zinsen und sogar über das Geld aus einer Erwerbstätigkeit der Gattin. Das ist alles noch gar nicht sonderlich lange her, erst eine Generation.

Nicht vergessen wollen wir, wie blöd die Sprüche oft waren, wenn man(n) früher Frauen im Auto am Steuer erspähte. Manchmal sind solche dämlichen Sprüche noch heute zu hören. Üblich ist es seltsamerweise auch, dass – wenn Ehemann und -frau im Auto sitzen – ER fährt, selbst wenn SIE die bessere Autofahrerin ist. Es sei denn, ER hat zu viel Alkohol getrunken…

Tilo